Zehn Gebote für Klavierbesitzer

I
Du sollst dein Klavier nicht über Gebühr vernachlässigen und dann hoffen, es um ein Geringes restauriert zu erhalten.

II
Sprich nicht zu deinem Kaufherrn: Siehe, meiner Väter Vater zahlte vor viermal zwanzig Jahren zehn Scheckel für ein Klavier, und es ist besser als ein neues. Dass ihn nicht der Schlag rühre und sein Blut über dich komme.

III
Du sollst dein Klavier nicht in ein kaltes, feuchtes Gemach stellen, noch vor einen Dampfofen; denn siehe, auch ein Klavier ist nur aus Holz und Eisen und leidet bitterlich unter arger Misshandlung.

IV
Sprich nicht zu deinem Kaufherrn: Das Entgelt ist zu hoch. Sind nich auch Rennwagen und Sandalen kostbarer geworden als in alten Tagen?

V
Lege nicht die glimmende Kippe auf das Griffbrett, auf dass es dich nicht viele Silberlinge für neue Tasten und frischen Lack koste.

VI
Du sollst deinen Klavierhandwerker nicht verachten, noch ihn erhöhen; sondern gedenke, auch er ist in seiner Einfalt und Demut eines Menschen Sohn.

VII
Du sollst großen Argwohn tragen gegen jeglichen, der da spricht nach einigem Klimpern: Dieser Kasten taugt nicht, dass ich ihn richte, und dann eilig von hinnen zieht. Hege auch Argwohn, so einer redet: Wahrlich, dieses ist das schönste Instrument, das meine Augen gesehen haben. Denn beide reden falsch Zeugnis.

VIII
Habe Furch vor den Ohren deines Stimmers. Sprich nicht zu ihm: Ich nahm drei Fiedelstunden und erkenne nun, dass dieser Ton verstimmt ist. Dein Stimmer ist in seinem Handwerk erfahren und höret über alle Maßen gut.

IX
Du sollst nicht Achtung geben auf den, dessen Mund überfließt von Schmähungen über seine Fachbrüder im Umkreis dreier Tagesreisen. Sprich vielmehr in deinem Herzen: Wahrlich, es wäre besser, dieser wendete mehr Zeit auf sein Handwerk als auf üble Nachrede gegen seinen Nächsten.

X
Erlerne die Bedeutung der Wörter. „Stimmen“ heißt nicht „Restaurieren“. Und wenn du zu einem Stimmer sprichst: Komme zu mir am Mittwoch, wenn die Sonne am höchsten steht, so lass diese Stunde dich nicht beim Bader finden, noch beim Feilschen in Kaufhäusern; denn dein Stimmer geht nicht müßig und hat seine Zeit nicht im Überfluss.

War eine Beilage des Klavierstimmers vom Skylark Klavier.

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