Monthly Archives: Juli 2006

Der Fingerzeig nach oben Links

Nach ca. 9 Kilometern zu Fuß und bei ca. 30 Grad Celsius hatte ich mir vielleicht etwas zu viel vorgenommen, aber geschafft – und als ich vor der Buchhandlung auf den Planken in den Quadranten stand, freute ich mich auf die Klimaanlage. Die gab’s leider nicht.
Da ich sonst immer angesprochen werde, ob mir geholfen werden kann, wenn ich nur gucken will, versuchte ich diesmal zielstrebiger auszusehen. Half aber nichts. Ich ölte wie sonst ‘was, und versuchte das Konzept der Buchhandlung zu erkennen, während Schweissperlen entweder genau in meine Augen tropften oder am unteren Brillenrand hängen blieben und lustig bei jeder Kopfbewegung hin und her wippten. Als ich erkannte, dass ich das Konzept mit dem von mir gesuchten Autor nicht verbinden kann, beschloss ich, meine Brille zu reinigen und eine Verkäuferin um Rat zu bitten. Mit frisch verschmierter Brille fragte ich eine Mitarbeiterin, die ich am Schild an der Brust erkannte, “Können Sie mir vielleicht helfen?”. Warum denn ‘vielleicht’? “Mein Name ist Lose, ich kaufe hier ein” hätte ich sagen sollen. Nachdem ich ihr den Namen des Autors verriet, ging sie schnurstraks zum Computer. Geschickterweise gibt es bei den Namensschildern in dieser Buchhandlung keinen Hinweis über den Status oder die Stellung. Aber als ich nach erneuter Reinigung meiner Brille mir nun drei Mitarbeiterinnen gegenüber sah, und die eine der älteren erklärte, dass Autor auch bei Autor eingetragen werden müsse, wußte ich, dass sie Trainee war. “Im ersten Stock, da, hinten”, sagte Trainee und ich fuhr mit der Automatik Treppe in den ersten Stock, wo ich direkt mein Buch fand. Beim Blättern im ausgepackten Probeband, fiel mir gleich eine Buchempfehlung auf der letzten Seite auf. Das musste ich auch haben.

Eiligen Schritts ging ich zum Tresen (im ersten Stock) und wollte vom Personal wissen, in welchem Regal ich nun das zweite Buch bekommen könne. Mein Fingertrommeln auf dem Tresen verhallte in diesem ruhigen Ambiente ungehört – zumindest vom Personal. Ich beschloß nun aktiv eine Verkäuferin zu finden. Auf dem Weg zum Erdgeschoß auf der Automatik Treppe las ich mir nicht den Buchrücken durch, sondern überlegte, wie wohl die Arbeitsschichten hier auf welchen Ebenen verteilt würden.
Der Trainee stand immer noch vor dem Computer und ich bedankte mich für die Auskunft und zeigte ihr kurz das erbeutete. Das zweite suchte sie mir auch sofort am Computer raus und deutete dann mit dem Finger in den ersten Stock.Der Fingerzeig nach oben Links
Im ersten Stock angekommen fand ich das Buch leider nicht, und auch keinen Menschen mit Schild. Nach einigen Minuten kam dann doch eine freundliche junge Dame und zeigte mir das Buch – ich nahm es und bezahlte beide Bücher an der Kasse. Glücklich mit zwei neuen Büchern vor der Tür wartete ich nun darauf, dass mir jemand den Weg nach Hause zeigte.

Tatsachen und Meinungen

Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen über die Dinge. So ist zum Beispiel der Tod an sich nichts Furchtbares – sonst hätte er auch dem Sokrates furchtbar erscheinen müssen-, sondern nur die Meinung, der sei schrecklich, ist das Schreckhafte.
Wenn wir also auf Schwierigkeiten stoßen, in Unruhe und Kümmernis geraten, dann wollen wir die Schuld niemals auf einen andern schieben, sondern nur auf uns selbst, das heißt auf unsere Meinung von den Dingen.

Labor Jargon

Wiedermal nichts zu sagen? Dann ist nichts sagen ist die beste Methode, aber um einigermaßen blöd aufzufallen, hilft dieses System:

Spalte 1
0. Konzentrierte , 1. Integrierte , 2. Permanente , 3. Systematisierte , 4. Progressive , 5. Funktionelle , 6. Orientierte , 7. Synchrone , 8. Qualifizierte , 9. Ambivalente

Spalte 2
0. Führungs- , 1. Organisations- , 2. Identifikations- , 3. Drittgenerations- , 4. Koalitions- , 5. Fluktuations- , 6. Übergangs- , 7. Wachstums- , 8. Aktions- , 9. Interpretations-

Spalte 3
0. -struktur , 1. -flexibilität , 2. -ebene , 3. -tendenz , 4. -programmierung , 5. -konzeption , 6. -phase , 7. -potenz , 8. -problematik , 9. -kontingenz

Einfaches Formulieren mit dieser Tabelle: Beispiel 966= Ambivalente Übergangsphase.

Eierschneider

Die besten Eierschneiderseiten für die coolsten Tabulaturen! Besser den Popup-Blocker einschalten und viel Spaß! Nicht nur fuer Gitarristen!

Die alte Olga
Ultimativ
AZChords
Masta
Guitartab
Fretplay
Xguitar

Camillo im Regen

Den Don, so müsste man ihn wohl nennen, durfte ich kennen lernen, als ich bei total schwülem Wetter mal in kleiner Runde draußen essen wollte. Angekommen mit drei Fahrrädern fragte ich ihm Gartenlokal des Italieners eine Kellnerin, wo wir unsere Fahrräder abstellen können, da mir die hüfthohe Hecke mit schmalem Fussweg zu ungeeignet vorkam. Auf ihr „irgendwo“ stellten wir sie dort ab, wurden aber direkt vom Don freundlich und bestimmt gebeten, die Räder woanders abzustellen.

Als zwei Kellnerinnen etwas später dann mit unserem Essen auf uns zusteuerten, fing es an zu regnen. Purzel bat den Don, doch den Schirm für uns aufzuspannen, damit wir nicht nass würden. Er schlug uns in gebrochenem Deutsch vor, doch ins Lokal zu gehen (die Kellnerinnen immer noch wartend mit dem Essen in den Händen). Als Purzel insistierte, und den Schirm aufgespannt haben wollte, sagte der nette Don, dass er dann ja nass würde.
Völlig benommen von dieser serviceorientierten Servicekraft konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Als ich wieder zu mir kam, sah ich ihn, wie er an dem Schirm hantierte und scheinbar doch eine Eingebung von oben bekommen hatte – ein paar Regentropfen haben ja schließlich noch keinem geschadet. Gut gelaunt unter dem Schirm genossen wir dann unter anderem die sub-leckere Pizza und erfreuten uns daran, wie andere Gäste, denen Don keinen Schirm aufgespannt hatte, beim zweiten großen Schauer mit ihren Gläsern und Tellern ins Restaurant flüchteten. Diese Szene beobachtete ebenfalls der Don, tatenlos und kopfschüttelnd. Beim Bezahlen erfuhr ich dann, dass Don der Chef sei. Wieder glücklich, dazu gelernt zu haben, werde ich beim nächsten Besuch der Neukirchstrasse in Bremen sicherlich mal den Griechen ein paar Häuser weiter besuchen.

Flugratte isst Bürger

Die Tierschutzvereinigung „Lieber eine Taube auf dem Dach“ und die Schnell-Ess-Kette „Bürger Konk“ haben sich nach einem in der Presse ausgetragenen Schlagabtausch einigen können. „Unsere Flugratten“, so liebevoll der Sprecher Udo Ganz, “ haben es satt, immer nur die Reste essen zu müssen!“. Die wissenschaftlich nachgewiesene Populationsabnahme der Columbidae-Rattus-Volo sei bestätigt und der Fälschungsverdacht des Prüfberichtes „Ratte pro Quadratmeter“ nicht haltbar und ausgeraeumt. Die neue Bürger Filiale in Wuppertal Nord mit dem Spezial-Schalter „Fly-in“ wird zum 1. eröffnet. Dort können alle Menüs von den Gefiederten auch als „klein geschnippelt“ bestellt werden. Zur Eröffnung hält Bibo aus den USA eine Rede und Gonzo soll mit einem Trompeten Solo die Korken knallen lassen – Prost!

Die alte Leier

Was der Gastwirt mit seiner Belegschaft nicht schafft, muss doch irgendwie trotzdem zu erledigen sein! Oder wer macht meine Arbeit, ohne dass ich mich bewege? Genau, der Gast. Der darf sich sein Getränk, sowie sein Essen selber in der Gaststätte bestellen – aber Tischnummer merken zum späteren Essen abholen! Unerschrocken vom diesem großen Hinweisschild im Geteviertel in Bremen, immer auf der Suche nach ein wenig Service, fragte ich die Kellnerin, die nur nach draußen kam, um die leeren Gläser einzusammeln, ob sie mir nicht ausnahmsweise ein Getränk nach draußen bringen würde. Als ich nach ihrem „eigentlich nicht“ nach der Definition von „eigentlich„ fragte, entgegnete sie, dass sie alleine arbeite und sich die Bestellungen bis zum Tresen eh nicht merken könne. Die alte LeierWie witzig, da ich bisher immer annahm, dass eine der Hauptaufgaben einer Servicekraft aus dem Bestellung aufnehmen (also merken) – Bestellung zusammenstellen – Bestellung ausgeben bestand. Wie dumm von mir, ts, ts, ts.
Bei insgesamt 120 Sitzplätzen, davon ca. 30 besetzt (20 drinnen, 10 draußen), kann ich das natürlich verstehen, da die Crew soweit ich das überblicken konnte aus genau 3 Leuten bestand. Wieder eine tolle Geschäftidee, bei der man die Freundlichkeit und die „Ich-bin-ja-froh-dass-ich-überhaupt-etwas-kriege“-Einstellung dazu benutzt, sich die Taschen zu füllen. Guten Appetit und die Tischnummer bitte nicht vergessen!